| Familienstellen / Systeme stellen |
Manchmal führt die psychotherapeutische Arbeit, die sich
nur am Individuum und seinen biografischen (lebensgeschichtlichen) Erfahrungen
orientiert, nicht zu einer befriedigenden Lösung.
Es gibt Situationen, in denen wir den Fokus erweitern müssen.
Wir sind alle nicht nur Individuen, die ihr eigenes Leben leben, sondern wir
sind immer auch Mitglieder eines Verbandes von Personen. Ein Land ist ein Verband
von Menschen. Eine Stadt, eine Gemeinde, ein Dorf, eine Kirchgemeinde, eine
Schulklasse, ein Wohnblock: all diese Formen sind Gemeinschaften, die sich zufällig
formiert haben, mit mehr oder weniger Verbindendem.
Überhaupt nicht zufällig sind familiäre Verbindungen. Wir haben
gesehen, dass familiäre Bindungen sehr viel Kraft haben. In der Regel
sind die familiären Bindungen getragen von Unterstützung, Loyalität
und Liebe. So können sich alle Familienmitglieder gemäss ihren Möglichkeiten
entwickeln.
Familiensysteme haben immer eine Geschichte, sie entwickeln sich über viele
Generationen. Ungelöste Probleme früherer Generationen wirken sich
oft auf die nachfolgenden Generationen aus. Wenn zum Beispiel in einer Familie
Regeln verletzt werden, wirkt das auf alle Mitglieder. Die wichtigste Regel
heisst, dass alle ihren Platz haben müssen im System, unabhängig davon,
was sie leisten oder wie sie sich benehmen. Niemand darf ausgegrenzt, schlecht
gemacht oder vergessen werden.
Wird diese Regel verletzt, leiden alle Mitglieder des Systems. Häufig übernimmt
dann ein Nachkomme das Schicksal eines vergessenen oder ausgegrenzten Mitgliedes,
ohne sich dessen bewusst zu sein. Diese Art von Verstrickungen haben tiefe Wirkung
auf das Leben eines Menschen. Es kann der Hintergrund von schweren psychischen
oder somatischen Problemen, von Scheitern oder Suizid sein.
Wenn wir Systeme stellen, arbeiten wir in einer Gruppe. Eine Person stellt
ihre Familie oder ihr Arbeits-System auf. Die Gruppenmitglieder übernehmen
dabei als StellvertreterInnen die Rollen von Mitgliedern dieses Systems.
Bei diesen Aufstellungen können wir systemische Verstrickungen sichtbar
machen. Neue Lösungen werden gesucht, die das Leben und die Würde
aller unterstützen. Wer den richtigen Platz im System einnimmt, hat die
eigene Kraft und kann sich gesund entwickeln.
Systemaufstellungen in Organisationen
Dieser Ansatz wird auch in der Arbeitswelt mit Erfolg angewandt. Probleme
in Teams, die sich nicht mit den üblichen Organisations-Entwicklungs-Massnahmen
lösen lassen, haben häufig einen systemdynamischen Hintergrund. Das
betrifft in besonderem Masse Familien-Unternehmen, die noch vom Gründer
geführt werden, oder die an einen Nachfolger übergeben oder verkauft
wurden. Hinweise sind Unruhe im Team, hohe Fluktuation, eingeschränkter
Erfolg oder Scheitern, sich wiederholende Muster und unlösbare Konflikte
auf der Führungsebene, schwarze Schafe unter den Mitarbeitenden, gebundene
Energie, Unzufriedenheit.
Stellungsnahme zur Diskussion um das Familienstellen
Ich arbeite seit 16 Jahren mit dieser Form der Systemarbeit. In den letzten
Jahren ist das Familienstellen in die öffentliche Diskussion und Kritik
geraten. Viel dieser Kritik hat aus meinem Verständnis heraus mir der Person
Bert Hellingers zu tun. Ich habe ihn in den 80-er Jahren persönlich kennengelernt.
Er hatte schon damals einen autoritären Stil, wie ich ihn noch nie bei
einem Therapeuten erlebt hatte. Er hatte schon damals die Idee, wenn er sich
ganz in die Wahnehmung der Person versetze, 'sehe' er deren 'Realität'
und deren 'Wahrheit'. Und das gibt ihm dann das Recht, so autoritär und
bestimmend einzugreifen, wie er das tut. Er hat schon damals nicht verstanden,
dass viele der Probleme, die sich in seinen Seminaren ergaben, mit seiner Art
der Intervention zu tun hatten und nicht damit, dass die Personen nicht bereit
waren, seine Impulse aufzunehmen. Ich habe ihn im Umgang mit Menschen als sehr
kontrollierend erlebt. Er musste den Prozess immer vollständig unter seiner
Kontrolle haben.
Bert Hellinger ist weit davon entfernt, anzunehmen, dass jede Person ihre Realität
konstruiert, und er ist weit von einer personenzentrierten Haltung entfernt,
wie ich sie für die psychotherapeutische Arbeit mit Menschen als selbstverständlich
voraussetze. Viele der Probleme, die in den Aufstellungen bei ihm (und auch
bei vielen seiner Schüler und Schülerinnen) immer wieder entstehen,
lassen sich aus diesem Hintergrund heraus verstehen.
Das Familienstellen ist ein wichtiger psychotherapeutischer Ansatz, den Hellinger
mitentwickelt hat. Wir verdanken ihm viel, zum Beispiel die klare Lösungsorientierung
im Vorgehen.
Leider haben seine Schüler verpasst, die Probleme um Hellinger herum anzusprechen
und zu benennen. Erst im Jahr 2003 hat ein Therapeut im Hellinger-Forum in Zürich
öffentlich über diese Probleme gesprochen. Mein Verständnis ist,
dass diese Themen von aussen auf das Familienstellen zurück kommen, wenn
wir nicht im Inneren diese Themen auf dem Tisch haben und uns darum kümmern.
Leider haben auch die meisten Journalisten, die über Hellinger und das
Familienstellen geschrieben haben, nicht verstanden, dass sie unterscheiden
könnten zwischen den Problemen, die um die Person Hellingers entstanden
sind und dem Familienstellen als psychotherapeutischen Ansatz.
Wenn in der künftigen öffentlichen Diskussion unterschieden wird zwischen
den Problemen um die Person Hellinger und dem Familienstellen, sind wir wieder
einen grossen Schritt weiter.
Wenn man das ganze Potential dieser Arbeit ausschöpfen will, gehört
das Aufstellen von Beziehungs-Systemen klar in die Hände eines erfahrenen
Psychotherapeuten oder einer erfahrenen Psychotherapeutin. Denn das Familienstellen ist auch eine schamanische Arbeit. Alle Heiler betonen, wie wichtig es für die Entnwicklung von Menschen und Familien ist, dass sie ihre Probleme mit ihren Vorfahren gelöst haben, dass es den Ahnen gut geht. Es gibt im Familienstellen immer wieder Situationen, in denen wir mit den Ahnen arbeiten, um deren Probleme zu lösen.
Vorgehen
Es ist möglich, das Familienstellen prozessorientiert und personenzentriert
zu leiten. Für eine nachhaltige Wirkung ist es wichtig, dass die inneren
emotionalen Prozesse, die zur Lösung führen, ermöglicht werden.
Das bedeutet, dass eine Aufstellung auch mehr Zeit braucht. In meiner Aufstellungsarbeit
gebe ich jeder Aufstellung mindestens 1.5 Stunden Zeit.
Wenn Sie mit mir arbeiten möchten, können Sie sich anmelden als Aufsteller/in.
Dann haben Sie einen Platz für eine eigene Aufstellung an diesem Seminar.
Und Sie sind eingeladen, gratis eine/n Begleiter/in als teilnahmende/n
Beobachter/in mitzunehmen.
Oder Sie melden sich an als teilnehmende/n Beobachter/in, wenn Sie die Aufstellung
eines Freundes oder einer Partnerin unterstützen oder das Stellen von Systemen
kennenlernen wollen. Die Mitarbeit als Teilnehmende/r Beobachter/in ist für
viele ein guter Einstieg in diese Arbeit, und es ist ausserordentlich lehrreich,
verschiede Rollen in unterschiedlichen Systemen einzunehmen und aus dieser Position
am Entwickeln von Lösungen teilzuhaben. Sie lernen nirgends in so kurzer
Zeit so viel über Beziehungssysteme wie in diesen Tagen.
Datum für das nächste Seminar: 29.-30. Oktober 2011. Das Seminar findet in Luzern statt.
Die Kosten für das Seminar betragen Fr. 500.- für einen Aufstellplatz.
Teilnehmende Beobachter/innen nehmen nach Absprache mit mir gratis teil.
Hier können Sie die Info Familienstellen downloaden, und hier die Ausschreibung für das näschste Seminar.
Sie können sich via Kontaktk-Formular anmelden. Sie erhalten dann die genauen Informationen über
Ort und Zeiten sowie einen Einzahlungsschein. Da die Plätze für eigene
Aufstellungen beschränkt sind, empfiehlt sich eine frühzeitige Anmeldung.